KONZERNLAGEBERICHT
Prognosebericht
Die europäische Do-it-yourself-Branche bietet HORNBACH
auch in Zukunft Wachstumschancen, die im Zusammenhang
mit den im Risikobericht geschilderten Risiken zu beurteilen
sind. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben
sich im Vergleich zum Vorjahr wegen der massiven Verwerfungen
der Weltwirtschaft im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise
deutlich verschlechtert. Mit staatlichen Konjunkturprogrammen
versuchen die großen Volkswirtschaften gegenzusteuern.
Als Reaktion darauf verändern sich Verbrauchergewohnheiten,
von denen die DIY-Branche unter bestimmten
Voraussetzungen gleichwohl profitieren kann. Positiv auf die
Geschäftsentwicklung der Bau- und Gartenmärkte können
sich in den nächsten Jahren überdies eine Reihe von branchenspezifischen
Entwicklungstrends (Megatrends) auswirken. Vor
diesem Hintergrund entwickeln wir unser Handelsformat und
die Unternehmensstrategie mit dem Anspruch von Kontinuität,
Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit konsequent weiter, um die
potenziellen Chancen für künftiges Wachstum bestmöglich zu
nutzen.
Gesamtwirtschaftliche Chancen
Im März 2009 verging kaum ein Tag, an dem nicht eine Prognose
nach unten revidiert wurde. Der Internationale Währungsfonds
(IWF) sagte für das laufende Jahr voraus, dass die
Weltwirtschaft zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg
schrumpfen wird. Demnach wird 2009 ein Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um 0,5 % bis 1,0 % erwartet.
Nach Ansicht des IWF hat die anhaltende Finanzkrise wesentlich
stärker auf die Gesamtwirtschaft durchgeschlagen als
noch zu Jahresbeginn angenommen, als der Fonds noch ein
leichtes Wachstum um 0,5 % prognostiziert hatte. Entsprechend
wurden auch die Prognosen für die Entwicklung in den
Industrieländern gesenkt.
In der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, erwartete
der IWF für 2009 nun einen Rückgang des BIP von 2,6 %
(zuvor: minus 1,6 %). Für den Euroraum wurde die Schätzung
von minus 2,0 % auf minus 3,2 % zurückgenommen. Auch die
Weltbank warnte vor einer globalen Rezession in diesem Jahr.
Als wesentlichen Grund sieht sie den Absturz der Industrieproduktion.
Zudem droht der Welthandel 2009 so dramatisch
einzubrechen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Nach Prognosen der Welthandelsorganisation WTO
könnte das globale Handelsvolumen aufgrund der erlahmenden Nachfrage in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten
um 9 % einbrechen. Besonders davon betroffen sind
die exportlastigen Volkswirtschaften.
In der Eurozone hat die Industrie ihre Produktion zum Jahresbeginn
angesichts ausgebluteter Orderbücher immer stärker
gedrosselt. Im Januar 2009 fiel der Output den Angaben von
Eurostat zufolge saisonbereinigt um 3,5 % gegenüber Dezember
2008 und binnen Jahresfrist um 17,3 %. Am schärfsten
kürzten die Hersteller von Investitionsgütern ihre Produktion.
Vor diesem Hintergrund gingen die Konjunkturexperten davon
aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in der Währungsunion
im ersten Quartal 2009 mindestens so stark geschrumpft
ist wie das Vorquartal (minus 1,5 %)
Mit umfangreichen Rettungsmaßnahmen für die Kreditwirtschaft,
expansiver Geldpolitik und aus der Not geborenen
Konjunkturprogrammen haben sich die großen Industrienationen
und einige Schwellenländer gegen die Krise gestemmt,
um wieder Stabilität in die Weltwirtschaft zu bringen. Die
Konjunkturprogramme sehen teilweise Maßnahmen vor, die
direkt die Einkommenssituation der Haushalte und damit
auch die Konsumentennachfrage verbessern sollen. Indirekt
sollen milliardenschwere Infrastrukturprojekte helfen, die
Beschäftigung und die verfügbaren Einkommen der Verbraucher
zu verbessern. Daher ist davon auszugehen, dass der
Handel in Europa unter der Rezession weniger zu leiden hat
als andere Branchen. Die Unsicherheiten auf den Märkten und
die konjunkturellen Abwärtsrisiken bleiben nichtsdestotrotz
sehr groß. Das Gros der Forschungsinstitute und Bankenvolkswirte
sieht erst ab dem Jahr 2010 die Chance auf eine
leichte Konjunkturerholung.
Der Einbruch der Weltkonjunktur hat den Exportweltmeister
Deutschland besonders in Mitleidenschaft gezogen. Die deutsche
Wirtschaft wird im Jahr 2009 nach Einschätzung von
Konjunkturexperten in die tiefste Rezession in der Geschichte
der Bundesrepublik rutschen. Ausmaß und Dauer des Einbruchs
der gesamtwirtschaftlichen Leistung sind unklar. Je
mehr Daten über die ersten Monate des Jahres auf den Tisch
kamen, umso düsterer wurden die Aussichten der Wirtschaftsforscher.
Die laufend nach unten revidierten Schätzungen der
Institute und Banken pendelten sich zuletzt zwischen minus
vier und fünf Prozent für 2009 ein. Besonders schwarz sieht
die Commerzbank, die im März sogar mit einem Minus des
Bruttoinlandsprodukts in Höhe von sechs bis sieben Prozent
rechnete. Ausschlaggebend für den Pessimismus ist insbesondere
der scharfe Rückgang der Industrieproduktion. Das
produzierende Gewerbe wurde im Januar vom Absturz bei den Auftragseingängen und Ausfuhren schwer getroffen und
drosselte seine Erzeugung im Vergleich zum Vormonat um
unerwartet hohe 7,5 %.
Im Frühjahr war eine Trendwende bei den Auftragseingängen
der deutschen Industrie noch nicht absehbar. Somit dürfte auf
dem Arbeitsmarkt nicht mit einer schnellen Erholung zu rechnen
sein. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Arbeitslosenzahlen
der Entwicklung des BIP mit einigen Monaten nachlaufen.
Die Kurzarbeit verzögert das Übergreifen der Rezession auf
den Arbeitsmarkt. Prognosen zufolge könnte es 2010 nach
dem Auslaufen von Kurzarbeit zu einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen weit über die Marke von vier Millionen
kommen. Dies erhöht das Abwärtsrisiko für die Binnennachfrage,
die seitens der Unternehmensinvestitionen 2009 keine
Unterstützung erwarten darf.
Lichtblicke gab es am Ende des ersten Kalenderquartals nur
wenige. Immerhin stiegen im März die ZEW-Konjunkturerwartungen
und die europäischen Einkaufsmanagerindizes überraschend. Die darin zum Ausdruck kommende abgebremste
Fallgeschwindigkeit der Wirtschaft brachte das
Erreichen der konjunkturellen Talsohle in der zweiten Jahreshälfte
2009 zumindest in den Bereich des Möglichen. Laut
Ifo-Geschäftsklimaindex sank die Wirtschaftsstimmung im
gleichen Monat zwar auf den tiefsten Stand seit Anfang der
Achtziger Jahre; gleichwohl verbesserten sich die Geschäftserwartungen
zum dritten Mal in Folge. Nach einer Faustformel
gilt das als Signal für eine bald bevorstehende Konjunkturwende.
Hoffnungen auf eine Stabilisierung der deutschen Volkswirtschaft
im Jahresverlauf werden an die Konjunkturprogramme
der Bundesregierung, sinkende Zinsen sowie niedrige Rohstoff-
und Verbraucherpreise geknüpft. Eine wichtige Ankerfunktion
dürften dabei die öffentlichen Investitionen und der
private Verbrauch übernehmen.
Branchenspezifische Chancen
Die große Unbekannte in den Jahren 2009 und 2010 ist der
private Konsum. Viele Konjunkturbeobachter gehen davon aus,
dass der Konsum der Privathaushalte, der fast 60 % zum
deutschen BIP beiträgt und traditionell keine sehr großen
Veränderungsraten erreicht, gerade wegen seines Beharrungsvermögens
den Absturz der Gesamtwirtschaft abfedern,
wenn auch nicht verhindern kann. Im Gegensatz zu den
Unternehmen dürften die Verbraucher im Jahresverlauf 2009
von der Krise noch wenig zu spüren bekommen. Das Thema
Arbeitslosigkeit wird den Konsum laut GfK voraussichtlich erst
Ende des Jahres beeinflussen. Die Nürnberger Konsumforscher
prognostizierten im Februar ein Konsumwachstum von bis zu
0,5 % im Jahr 2009.
Die Stimmung bei den Verbrauchern wurde seit Ende 2008
durch die stark rückläufige Inflationsrate und die deutlich
nachlassenden Benzin- und Energiepreise gestützt. Dies
stärkte die Kaufkraft, die auch von den Lohnabschlüssen des
vergangenen Jahres profitierte. Die Abwrackprämie oder auch
die avisierten Rückzahlungen aus der Pendlerpauschale
sorgten überdies dafür, dass die Kauflaune trotz Krise keinen
Dämpfer bekam. So hellte sich denn der GfK-Konsumklima-Index für März leicht auf und blieb trotz täglicher Krisenmeldungen
auch für April stabil.
Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erwartete
in seiner Jahresprognose 2009, dass sich der nominale Einzelhandelsumsatz in einem Korridor von Null bis minus 1 %
bewegt. Preisbereinigt wäre das gleichbedeutend mit einem
Minus von 1 % bis 2 %. Damit würde sich der deutsche Einzelhandel
angesichts der düsteren Konjunkturaussichten achtbar
schlagen. Das Ergebnis hängt laut HDE vorrangig von der
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der zweiten Jahreshälfte
ab
Der Bauwirtschaft könnte im Jahr 2009 eine Schlüsselrolle bei
der Überwindung der Rezession zukommen. Die Finanzkrise
wird die Baubranche erst mittelfristig treffen, da Bauüberhänge im Nichtwohnbau aus dem Jahr 2008 für einen Auftragspuffer
sorgen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
ging zum Jahresanfang davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche
Rezession nach einem stabilen ersten Halbjahr
erst ab dem Sommer 2009 die Bauwirtschaft erreichen werde.
Beim Wirtschaftsbau wird mit einem Umsatzrückgang von
nominal 5 % gerechnet, während der öffentliche Bau und
Baumaßnahmen im Wohnungsbestand von den staatlichen
Konjunkturprogrammen profitieren sollten. Unterm Strich
könnte der Umsatz im Bauhauptgewerbe bei optimistischer Einschätzung nominal auf dem Vorjahresniveau verharren.
Inwiefern sich die konjunkturellen Effekte 2009 auf die Branche
der Bau- und Gartenmärkte in Deutschland auswirken,
war zum Jahresbeginn noch nicht absehbar. Das erste Kalenderquartal
2009, für das bis zum Abschluss dieses Berichts
noch keine öffentlichen Daten vorlagen, dürfte von einer
schwachen Umsatzentwicklung im Februar und März geprägt
worden sein. Aufgrund des bis weit ins Frühjahr andauernden
strengen Winters verschob sich der Start in die wichtige
Frühjahrssaison nach hinten. Der Branchenverband BHB
machte deutlich, dass für eine belastbare Jahresprognose mindestens die Ergebnisse der ersten drei Monate abgewartet
werden müssen, und verwies auf die erheblichen Prognoseunsicherheiten
wegen der Wirtschaftskrise. Doch während
andere Handelssegmente mit Umsatzeinbußen rechnen müssen,
sehen Branchenbeobachter auch in der Krise Wachstumschancen
für die deutschen DIY-Anbieter.
Kapitalausstattung und solides Konzept entscheidend
Innerhalb der Branche der Bau- und Gartenmärkte hat sich
der Konsolidierungsdruck seit der Verschärfung der Finanzkrise
im Jahr 2008 deutlich erhöht. Neben dem unvermindert intensiven
Preis- und Qualitätswettbewerb im überbesetzten deutschen
DIY-Markt haben sich bei einigen Wettbewerbern die
Finanzierungsspielräume dramatisch eingeengt. Expansions- und Modernisierungsvorhaben oder auch Erhaltungsinvestitionen
müssen notgedrungen zurückgefahren oder gar gestoppt
werden. Das trifft vor allem auf Anbieter mit dünner
Eigenkapitaldecke, geringer Liquidität, weniger wettbewerbsfähigen
Kostenstrukturen und konzeptionellen Defiziten zu.
Dank unserer klaren Marktpositionierung und Konsequenz, mit
der wir unser großflächiges Handelsformat im In- und Ausland
ständig weiterentwickeln, sehen wir auch unter den
verschärften konjunkturellen Rahmenbedingungen im deutschen
und europäischen DIY-Markt weiteres Wachstumspotenzial.
Auf der Basis einer soliden Eigenkapitalausstattung,
hoher Unternehmensliquidität und eines breiten und flexiblen
Finanzierungsportfolios sind wir in der Lage, trotz der Turbulenzen
an den internationalen Finanzmärkten Expansionschancen
gezielt wahrzunehmen und in die Zukunft zu investieren.
Kundenpotenziale und Strukturvorteile nutzen
Deutschland ist der größte europäische Do-it-yourself-Markt.
In keinem anderen EU-Land geben die Haushalte mehr für
Bau-, Heimwerker- und Gartenbedarf aus. Die Größe macht
den deutschen DIY-Markt damit per se interessant. Die Herausforderung
ist dabei jedoch: Die Bau- und Heimwerkermärkte
haben in Deutschland noch nicht ihr volles Kundenpotenzial
ausgeschöpft. Dieser Vertriebsweg deckt in
Deutschland weniger als die Hälfte des geschätzten DIY-Marktvolumens
ab. Die Mehrzahl der DIY-Produkte wird – im
Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich – im Facheinzelhandel,
im Baustoffhandel oder über andere Vertriebskanäle
eingekauft. Das zeigt Potenziale für die Baumärkte auf, wenn
es ihnen gelingt, durch entsprechende Kundenorientierung
und Konzepte weitere Marktanteile von den konkurrierenden
Vertriebsformen abzuziehen. Mit unserem Großflächenkonzept, mit dem wir auch dem etablierten Fachhandel paroli bieten,
sehen wir uns hier gut positioniert.
Ein generelles Problem sind die Flächenüberkapazitäten im
dicht besetzten deutschen DIY-Markt. Allerdings muss dieser Überbesatz differenziert betrachtet werden. Es kommt auf die Wettbewerbsbedingungen in den jeweiligen Einzugsgebieten
an. Lokal und regional gibt es in Deutschland immer noch
Ballungsräume, in denen der Besatz mit Bau- und Gartenmärkten
unterdurchschnittlich ist. Diese „weißen Flecken“
nutzen wir gezielt für selektives Wachstum. Dabei können wir
in der jeweiligen örtlichen Wettbewerbssituation unsere
Struktur- und Größenvorteile, die sich insbesondere in der
Attraktivität unserer Standorte und der höchsten Flächenproduktivität
der führenden deutschen Baumarktbetreiber
niederschlagen, in die Waagschale werfen. In Verbindung mit
der europaweit höchsten durchschnittlichen Filialgröße hat
HORNBACH dadurch ein enormes Verdrängungspotenzial.
Rückbesinnung auf Wohnung und Garten
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass sich
Menschen in unsicheren Zeiten stärker als sonst ins Private
zurückziehen (Cocooning). Die Verbraucher besinnen sich
wieder mehr auf die eigenen vier Wände und sind bereit, in die
Verschönerung und Ausstattung ihrer Wohnungen zu investieren.
Das Heimwerken oder die Freude am Gestalten des eigenen
Wohnumfeldes gewinnt als Freizeitbeschäftigung noch
mehr an Popularität. Marktforscher sind sich einig, dass
zudem der Gartenmarkt auch in Zukunft zu den dynamischen
Wirtschaftszweigen zählen wird. Der Garten und die Gestaltung
wohnungsnaher Freiflächen genießen einen hohen Stellenwert.
Laut Studien der BBE Retail Experts bewegt sich der
Gartenmarkt nach einigen schwächeren Jahren wieder auf Wachstumskurs. Für den Zeitraum 2009 bis 2013 wird mit
einem Anstieg des Marktvolumens um vier Prozent gerechnet.
Von diesen Entwicklungen sollte der DIY-Markt profitieren
können. HORNBACH hat sich mit seinem Konzept in besonderer
Weise auf die Bedürfnisse der Projektkunden eingestellt –
egal ob es sich um Projekte in Haus, Wohnung oder Garten
handelt.
Hoffnungsschimmer im rückläufigen Wohnungsbau
Die Zahl der Baugenehmigungen erreichte 2008 in Deutschland
einen neuen Tiefststand. Gegenüber dem Vorjahr wurden
5,6 % weniger Wohnungen genehmigt. Besonders hart traf es
die Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern mit einem
Minus von 6,9 % bzw. 6,0 %. Das durch die Wirtschaftskrise
ausgelöste Umdenken vieler Verbraucher bezüglich Wohneigentums
sowie demografische Entwicklungen könnten jedoch den
Rückwärtstrend im Wohnungsneubau zumindest teilweise
kompensieren.
Angesichts der massiven Wertvernichtung an den Kapitalmärkten
durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich das
Bewusstsein vieler Anleger verändert. Bei der Suche nach dem sicheren Hafen für die Geldanlage und Altersvorsorge könnte
die eigene Immobilie – auch in Verbindung mit der Riester-
Förderung von Eigenheimen („Wohn-Riester“) – als bleibender
Sachwert wieder an Attraktivität gewinnen. Gleichzeitig steigt
die Zahl der Privathaushalte nach Schätzungen von LBS
Research mindestens noch in den nächsten zehn bis 15 Jahren
weiter an. Als Hauptursache dafür werden der anhaltende
Trend zu kleineren Haushalten genannt: Der Wandel der
Lebensstile führt gerade bei der Bevölkerung jüngeren und
mittleren Alters zu einer Zunahme der Single-Haushalte. Die
steigende Lebenserwartung lässt zusätzlich die Zahl der
kleineren Haushalte auch im Seniorenalter wachsen.Ein- und
Zweipersonenhaushalte würden nach einer LBS-Hochrechnung
zufolge im Jahr 2020 bereits 77 % aller Hauhalte ausmachen,
fünf Prozentpunkte mehr als noch 2005. Damit könnte die
Neubautätigkeit einen positiven Impuls bekommen, der auch
in der DIY-Branche für höhere Nachfrage nach Baumaterialien
sorgen könnte.
Wachstum im Kerngeschäft Modernisieren
Das Bauen im Bestand (Modernisierungs- bzw. Renovierungsmarkt)
hat in den letzten Jahren für die Geschäftsentwicklung
der Bau- und Gartenmärkte stetig an Bedeutung gewonnen.
Seit 1998 übersteigt der Umsatz am Modernisierungsmarkt
das Neubauvolumen. Inzwischen entfallen mehr als 70 % des
gesamten Bauvolumens in Höhe von knapp 130 Mrd. € auf
Modernisierungsvorhaben, auf den Neubau nur noch knapp 30 %. Nach Angaben der Heinze Marktforschung wird das
Bauvolumen bis zum Jahr 2020 stabil bleiben, weil der
Modernisierungsmarkt den Umsatzausfall im rückläufigen
Neubau kompensieren kann. Das bedeutet, dass sich die
Baumarktbranche seitens der Bauinvestitionen eine gewisse
Stabilität erhoffen darf. Dies umso mehr, als Experten die
Modernisierung von Wohnbauten als relativ wenig krisenanfällig
einschätzen. Als Wachstumstreiber sind unter anderem
die Altersstruktur von Wohnungen und Häusern, die Energieeffizienz
von Gebäuden, das altersgerechte Umbauen und
positive Effekte der Erbengeneration zu nennen.
- Die Altersstruktur der Wohnungen in Deutschland signalisiert
einen steigenden Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf.
75 % der Wohnunen sind älter als 30 Jahre;
nur etwa 3 % wurden nach dem Jahr 2000 gebaut. Nach
einem Dekra-Gutachten ist fast jedes dritte Einfamilienhaus
in Deutschland renovierungsbedürftig. Jedes zweite
der zwischen 1949 und 1960 errichteten Eigenheime ist
bislang nicht umfassend saniert worden und entspricht
mit Blick auf die Energieeffizienz nicht mehr dem heutigen
Stand der Technik. Da ohne Renovierungsmaßnahmen der
Immobilienwert verloren geht, wird der Bedarf an Bauleistungen
und -produkten tendenziell zunehmen. Ein hoher
Investitionsbedarf besteht bei der Heizungstechnik und der
Wärmedämmung. Allein um den Gebrauchswert der Eigenheime über die Instandhaltung zu sichern, müssten die
Hauseigentümer laut Dekra zwischen 5.000 € und
20.000 € investieren.
- Vor dem Hintergrund langfristig steigender Energiekosten
und des Klimaschutzes gewinnt das Thema Energieeffizienz
nachhaltig an Bedeutung. Durch Energiesparmaßnahmen
rund um das Haus lassen sich bis zu 70 % des
Energieverbrauchs einsparen. Mit dem Anfang Dezember
2008 verabschiedeten ersten Konjunkturpaket hat die
Bundesregierung das CO2-Gebäudesanierungsprogramm
der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für die Jahre
2009 bis 2011 um drei Milliarden Euro aufgestockt. Über
das KfW-Programm können zinsverbilligte Kredite oder
Zuschüsse für umweltschonende Investitionen in die Energieeinsparung in Haus und Wohnung abgerufen werden.
Das Bundesbauministerium zog nach den ersten beiden
Monaten im Jahr 2009 eine positive Bilanz: Trotz Krise
und harten Winters wurden mehr als 12.000 Förderzusagen
erteilt, die ein Investitionsvolumen von rund 1,2 Mrd. € anstoßen– rund 20 % mehr als im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Dank der besseren steuerlichen Absetzbarkeit
von Handwerkerleistungen gibt es zusätzliche Anreize für
Instandhaltungen und Modernisierungen. Diese Maßnahmen
werden voraussichtlich das Baumarktgeschäft beleben,
da viele private Bauherrn, professionelle Wohnungsunternehmen
und Handwerker ihren Bedarf an Baumaterialien
auch über die DIY-Branche decken werden.
- Positive Impulse für leistungsstarke und serviceorientierte
Baumarktbetreiber sollten auch vom 2008 sukzessive eingeführten
Energieausweis ausgehen. Mit Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen Hausbesitzer
neuen Mietern und Eigentümern einen Pass über den
Energieverbrauch ihres Gebäudes vorlegen. Für Gebäude
mit bis zu vier Wohnungen, die vor 1978 gebaut wurden,
wird der bedarfsorientierte Energiepass zur Pflicht. Dieser
liefert Mietern und Käufern von Wohnungen oder Häusern
Informationen über den Gebäudezustand, Öl- oder Gasverbrauch,
Wärmedämmung sowie Anreize für Sanierungen.
Wer künftig Mittel aus staatlichen Förderprogrammen bekommen
möchte, muss den am Bedarf ausgerichteten
Energiepass vorlegen.
- In 30 Jahren werden etwa 7,5 Mio. Menschen in Deutschland über 80 Jahre alt sein. Das sind fast doppelt so viele
wie heute. 23,7 Millionen Menschen in der Bundesrepublik
sind dann über 65 Jahre alt. Altersgerechtes Bauen ist angesichts
dieser demografischen Entwicklungen eine Herausforderung
für die Anpassung bestehenden Wohnraums,
damit ältere Menschen möglichst lange unabhängig und
selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung leben können.
Der Bedarf an Lösungen für das altersgerechte Bauen
wie etwa barrierefreie Gebäude- und Wohnungszugänge,
Einbau von Aufzügen, Türverbreiterungen oder der Umbau von Sanitärräumen wird immer mehr zunehmen. Investitionen in das altersgerechte Umbauen werden vom Staat über
zinsverbilligte KfW-Darlehen gefördert. Im Rahmen des Konjunkturpakets wurden zusätzliche Mittel in Höhe von
rund 240 Mio. € für die Jahre 2009 bis 2011 zur Verfügung
gestellt.
- Nach Expertenschätzungen wird in Deutschland in den
Jahren 2009 bis 2020 ein Gesamtvermögen von rund
3,3 Billionen € Generationen übergreifend vererbt. In fast
der Hälfte aller Erbschaftsfälle sind auch Immobilien im
Spiel. In vielen Fällen wird mit dem Übergang der Immobilie
auf die neue Generation auch eine Entscheidung für ein
Sanierungs- oder Renovierungsvorhaben getroffen.
Der Modernisierungsmarkt, insbesondere das seniorengerechte
Bauen sowie Investitionen in die Energieeffizienz, wird für die
Branche der Bau- und Gartenmärkte künftig eine immer
wichtigere Rolle spielen. HORNBACH hat sich mit seinem
kompetenten Sortiment und Serviceangebot bereits frühzeitig
auf diesen Wachstumsmarkt eingestellt.
Chancen der Internationalisierung
Über die Chancen im deutschen DIY-Markt hinaus bietet die
Expansion ins Ausland zusätzliche Wachstumsperspektiven.
Zu diesem grenzüberschreitenden Schritt haben sich zahlreiche
führende deutsche Baumarktanbieter schon vor Jahren
entschieden. Außerhalb Deutschlands sehen wir für
HORNBACH weiterhin vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten.
International sind wir seit dem Markteintritt 1996
in Österreich und sukzessive in acht weiteren europäischen
Ländern jedes Jahr flächenbereinigt im Schnitt um mehr als
5 % gewachsen. Wegen des zunehmenden Reifegrades regionaler
DIY-Märkte, aber auch wegen der negativen Einflüsse
der globalen Wirtschaftskrise auf der Verbraucherstufe wird
damit zu rechnen sein, dass die jährlichen Wachstumsraten in
den kommenden Jahren unter dem langjährigen Mittelwert
liegen werden. Gleichwohl sehen wir international weiterhin
das Potenzial, höhere Umsatzzuwächse zu erzielen als in
Deutschland. Dies gilt nach unserer Auffassung auch für die
osteuropäischen Märkte, die aufgrund ihrer teilweise starken
Verflechtung mit der internationalen Automobilindustrie,sinkender Auslandsinvestitionen und durch wechselkursbedingte
Inflation stark unter der aktuellen Rezession zu leiden
haben. Die im Vergleich zu Deutschland höhere Bauaktivität,
der höhere Nachholbedarf bei Sanierungen und Modernisierungen
und die allgemeine Begeisterung für das Heimwerken
bieten unseren Bau- und Gartenmärkten in Osteuropa auf
lange Sicht gute Chancen auf Umsatz- und Ertragssteigerungen.
Überdies ist in einigen Ländern die Wettbewerbsintensität im
Segment der großen Bau- und Heimwerkermärkte im Vergleich
zu Deutschland oder Österreich deutlich geringer. Gerade
Wettbewerber mit großflächigen Bau- und Gartenmärkten
haben in den letzten Jahren dank ihrer attraktiven Sortimentsauswahl
und Preisgestaltung ihre Marktanteile zu Lasten der
einheimischen kleinen und mittelständischen Handelsunternehmen
ausgebaut. Unsere erfolgreiche Geschäftsentwicklung
in Europa rechtfertigt die weitere internationale Expansion
und wird uns im Sinne der Risikodiversifizierung
unabhängiger machen von den Marktbedingungen in
Deutschland.
Strategische Chancen
Unser Ziel ist es, die Marktposition von HORNBACH im
europäischen Do-it-yourself-Markt durch organisches Wachstum
kontinuierlich auszubauen. Umsatz und Profitabilität
sollen durch die Expansion eines international erfolgreichen
Handelsformats nachhaltig gesteigert werden. Im Mittelpunkt
stehen dabei die strategische Weiterentwicklung unseres
Konzepts und der Ausbau unseres Filialnetzes an Standorten
mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial im In- und
Ausland. Dabei werden auch die Chancen berücksichtigt, die
sich aus den Veränderungen der oben geschilderten wirtschaftlichen
und branchenspezifischen Rahmenbedingungen
ableiten lassen.
- Die Unternehmensstrategie konzentriert sich auf den
Projektgedanken. HORNBACH kann sich mit diesem Ansatz,
der sich in der Sortiments-, Service- und Preispolitik
widerspiegelt, zunehmend von seinen Wettbewerbern differenzieren.
Die unverwechselbare Differenzierung ist notwendig,
um den Konsolidierungsprozess insbesondere in Deutschland aktiv voranzutreiben. Die gute Finanzausstattung,
das öffentliche Unternehmensrating und die
Flexibilität bei der Refinanzierung über den Kapitalmarkt
versetzen uns in die Lage, dass wir auch in Zukunft in die
Differenzierung des HORNBACH-Formats erhebliche Mittel
investieren können. Dieser Aspekt gewinnt vor dem Hintergrund
der Finanz- und Wirtschaftskrise zusätzlich an Bedeutung. Überdies werden wir aufmerksam beobachten,
welche unternehmensstrategischen Optionen sich aus dem
weiteren Konzentrationsprozess der DIY-Branche in
Deutschland und auf europäischer Ebene ergeben.
- Unverrückbarer Bestandteil unserer konzernweit einheitlichen
Strategie ist eine verlässliche Dauerniedrigpreispolitik.
Wir glauben, dass wir Kunden auf lange Sicht besser an
HORNBACH binden können, wenn wir diesen dauerhaft den
besten Marktpreis bieten und garantieren. Gerade unsere
Hauptzielgruppe der Projektkunden, die oft größere Renovierungsarbeiten
durchführen, will langfristig kalkulieren. Mit
zeitlich befristeten Rabattaktionen ist dies kaum möglich.
- Baumarktkunden achten nicht nur auf wettbewerbsfähige
Preise, sondern auch auf die Qualität der angebotenen
Produkte und Beratungsleistungen. Wir haben mit der Fokussierung
auf Qualität der Sortimente und professionelle Beratung
bei allen Bau- und Heimwerkerprojekten die Kundennachfrage
im Geschäftsjahr 2008/2009 deutlich erhöhen
können. Bestätigt fühlen wir uns in unserem qualitätsorientierten
Konzept durch eine von HORNBACH in Auftrag
gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. Demnach spielt
für drei Viertel der befragten Kunden die Beratung durch
kompetentes Personal und gute Warenqualität die entscheidende
Rolle bei der Beurteilung eines Baumarkts.
- Wir sehen uns mit Blick auf den immer bedeutsameren
Modernisierungsmarkt und hier vor allem die gestiegenen
gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz von
Gebäuden erstklassig in der Branche positioniert. Auch in
Zukunft werden wir komplexe Projekte wie die Fassadendämmung
und den Austausch von Fenstern und Türen als
Projektschau in den Märkten präsentieren. Die Projektschau ist ein innovatives Marketinginstrument zur Intensivierung
der Projektidee. Unsere Kunden erhalten durch Vorführungen
auf speziellen Event-Flächen der Märkte fachliche
Beratung, Informationen und Anregungen, wie sie zu Hause
in Eigenregie oder mit fachlicher Unterstützung Renovierungsprojekte
oder Wohnträume in die Tat umsetzen können.
Diese Aktivitäten werden mit Blick auf die gesamte
Gebäudehülle weiter ausgebaut und von Leistungspaketen
unseres Handwerkerservices flankiert. Erhebliche Umsatzimpulse
können überdies die öffentlichen Förderprogramme
für die energiesparende oder seniorengerechte Altbausanierung
auslösen. Vor diesem Hintergrund bieten wir auf
unserer Internetseite (www.hornbach.de) eine umfangreiche
Datenbank an, in der nach Fördermittelprogrammen
auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene sowie von
Energieversorgern recherchiert werden kann. Öffentlich
gefördert werden Neubauvorhaben, Bestandssanierungen
und Vorhaben im Bereich Denkmalschutz.
- Vielversprechende Wachstumschancen sehen wir im
Marktsegment des so genannten Buy-it-yourself (BIY)
oder Do-it-for-me. Darunter versteht man jene Zielgruppe
der Kunden, die nach Lösungen für ihre Heimwerkerprojekte
suchen, die dazu gehörenden Sortimente zwar
selbst einkaufen, die Arbeiten aber lieber einem Fachmann überlassen wollen. Wir sehen dieses Marktsegment auch
im Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung in
Deutschland und anderen Teilen Europas. Um dieses
Potenzial zu erschließen, haben wir unter anderem die
Palette des Handwerkerservices erweitert. So können beispielsweise
komplette Badrenovierungen oder die Montage
von Türen, Garagentoren oder Markisen bequem über
HORNBACH als Generalunternehmer abgewickelt werden,
wobei die frist- und fachgerechte Ausführung der Gewerke
zum Festpreis garantiert ist und die Gewährleistung übernommen
wird.
- Weiterhin bauen wir das Service-, Informations- und Beratungsangebot
aus, um neue Kundengruppen für
HORNBACH zu begeistern. Dazu zählen Heimwerkervorführungen
in den Märkten, die zum Selbermachen animieren sollen, spezielle Frauenworkshops oder auch der gezielte
Einsatz von Schritt-für-Schritt-Displays. Unterstützt werden
diese Maßnahmen durch die fachliche Förderung des
Marktpersonals mit dem Ziel, das Produkt-Know-how sowie
die Beratungskompetenz und damit die Kundenzufriedenheit
weiter zu erhöhen. Zunehmend interessanter werden
unsere großen Bau- und Gartenmärkte auch für professionelle
Kunden. Großzügige Öffnungszeiten, die Bevorratung
auch großer Mengen und die schnelle Abwicklung in
unseren Drive-in-Märkten bzw. Baustoffzentren oder auch
die unbürokratische Rücknahme von Restmengen machen
HORNBACH zu einer attraktiven Alternative zu den traditionellen
Bezugsquellen des Facheinzelhandels oder Großhandels.
- Die Wahrnehmung von Chancen berühren nicht nur die
Weiterentwicklung des Konzeptes oder die Erschließung
von Marktsegmenten. Gleichzeitig richtet sich unser
Augenmerk auf die Optimierung der Betriebsprozesse.
Die Abläufe in der Marktorganisation, im Verkauf sowie
die Verzahnung mit dem Einkauf und der Logistik werden
ständig weiterentwickelt, was sich nachhaltig positiv auf
die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Konzern auswirken
soll.
- Die Internationalisierung des Konzerneinkaufs wird
weiter vorangetrieben. Von zentraler Bedeutung sind dabei
ein breiter Zugang zu den globalen Beschaffungsmärkten
sowie die strategische und langfristige Partnerschaft mit
den Lieferanten und der Industrie. Von dieser Partnerschaft
profitieren beide Seiten. Wir bieten jedem Lieferanten die
Chance, jeden unserer Märkte so effizient wie möglich zu
beliefern. Hier spielt unsere ausgeklügelte Logistik-Infrastruktur die zentrale Rolle. Es sind sowohl große logistische
Direktbelieferungen an jedem Standort möglich als
auch die indirekte Belieferung über unsere drei zentralen
Umschlagsplätze, wo wir eine Vielzahl von Einzellieferungen über die Crossdocking-Funktion bündeln. So bieten wir
auch regionalen Herstellern die Chance, mit HORNBACH über ihr bisheriges Vertriebsgebiet hinaus zu wachsen,
das heißt in weiteren Ländern oder bei entsprechender Leistungsfähigkeit auch konzernweit Ware zu liefern. Da
wir mit unserem Handelsformat auch zunehmend Profikunden
an HORNBACH binden, können wir auf der Herstellerseite
Spezialisten für uns gewinnen, die sonst nur den
professionellen Fachhandel beliefert haben. Die flexible
Verzahnung unserer Lieferanten mit der Unternehmenslogistik
optimiert unsere Wertschöpfungskette und sichert
uns einen signifikanten Wettbewerbsvorteil: Durch die Nähe
unserer Lieferanten zu den Einkaufsorganisationen in den
Ländern können wir die projektorientierte Produktauswahl
bestmöglich auf die regionalen Anforderungen in den Ländern
anpassen und über Größenvorteile Margenverbesserungen
erzielen. Zusätzliche Ertragspotenziale heben wir
durch die zunehmende partnerschaftliche Entwicklung von
Eigenmarken, mit denen wir unseren Kunden ein attraktives
Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und uns gleichzeitig
vom Wettbewerb differenzieren.
Ausblick
Die mittelfristige Unternehmensplanung hat einen Planungshorizont
von fünf Jahren und wird jährlich fortgeschrieben.
Die Prognosebasis für die Geschäftsjahre 2009/2010 bis
2013/2014 ist durch erhebliche Unsicherheiten belastet, die
sich seit Abschluss der strategischen Planung zum Jahresende
2008 durch erhöhte konjunkturelle Abwärtsrisiken noch
verstärkt haben. Die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen
der weltweiten Wirtschaftskrise auf die Absatz-, Beschaffungs-
und Refinanzierungsmärkte in den Ländern, in denen
HORNBACH operativ tätig ist, sind schwer vorhersehbar. Der
Aussagewert der Prognosen ist stark eingeschränkt, weil es
für zentrale Zusammenhänge der Finanzkrise und die Erfolgsaussichten
der gegensteuernden staatlichen Hilfsprogramme
keine historischen Erfahrungswerte gibt. Insbesondere
schwierig einzuschätzen ist, ob, wann und in welchem
Ausmaß ein gegebenenfalls drastischer Beschäftigungsabbau
auf die Konsumnachfrage durchschlägt. Wir begegnen diesen
Unsicherheiten mit einer im Vergleich zur Vergangenheit
defensiveren mittelfristigen Unternehmensplanung. Oberstes
Ziel ist dabei die Flexibilität in der Unternehmenssteuerung
sowie die Sicherung der Liquidität und Ertragskraft im
Konzern der HORNBACH-Baumarkt-AG.
Expansion
Während wir in der Vergangenheit in der Fünf-Jahres-Planung
von durchschnittlich sieben Markteröffnungen pro Jahr ausgegangen
sind, werden wir das Expansionstempo in den
Geschäftsjahren 2009/2010 bis 2011/2012 zu Gunsten eines
höheren Liquiditätspolsters zurückfahren und die Investitionsplanung„auf Sicht“ steuern. Das heißt, bei einer unter
unseren Erwartungen liegenden Geschäftsentwicklung haben
wir die Möglichkeit, auch kurzfristig Investitionen zu kürzen
bzw. zu verschieben. Bei einem im Rahmen unserer Erwartung
liegenden Geschäftsverlauf wollen wir aber auch finanzielle
Spielräume für Investitionen in die Zukunft nutzen. Dies
schließt neben Neueröffnungen auch Markterweiterungen
sowie den Erwerb von Vorratsgrundstücken mit ein, deren
Angebot und Kaufpreise bedingt durch die Finanzkrise teilweise
attraktiver sein können als in der Vergangenheit.
Erst zum Ende des Planungszeitraumes, das bedeutet in den
Geschäftsjahren 2012/2013 und 2013/2014, gehen wir von
einer Normalisierung der makroökonomischen Rahmenbedingungen
aus und planen wieder mit einer Schlagzahl von
durchschnittlich sieben Neueröffnungen pro Jahr. Je nach
Fortschritt in der Baugenehmigungs- und Bauplanungsphase
kann es Verschiebungen zwischen den Jahren geben. Die
Mehrheit der Neueröffnungen soll außerhalb Deutschlands
realisiert werden.
Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 sollen zwei neue
HORNBACH Bau- und Gartenmärkte eröffnet werden. Beide
Standorte liegen im Ausland: Neben der bereits im März 2009
eröffneten Filiale in Brasov, unserem dritten Standort in Rumänien,
ist die fünfte Markteröffnung in der Schweiz geplant;
der Bau- und Gartenmarkt in Galgenen (Kanton Schwyz) wird
voraussichtlich zum Jahresende 2009 mit dem Verkauf beginnen.
Im Geschäftsjahr 2010/2011 plant HORNBACH – sofern
die Umsatz- und Ergebniserwartungen erfüllt werden und die
Finanzierungsbedingungen dies zulassen – bis zu fünf Neueröffnungen
außerhalb Deutschlands. Im gleichen Jahr wird
voraussichtlich eine bestehende Filiale geschlossen, die im
Folgejahr durch den Neubau eines modernen großflächigen
Bau- und Gartenmarktes ersetzt werden soll. Insgesamt soll sich die Anzahl der HORNBACH Bau- und Gartenmärkte bis
28. Februar 2011 aufgrund der Expansionsplanung für das
laufende und kommende Geschäftsjahr konzernweit auf
bis zu 136 (28. Februar 2009: 129) erhöhen.
Investitionen
Unter der Annahme, dass die Umsatz- und Ertragsentwicklung
den erwarteten Verlauf nimmt, wird das geplante Bruttoinvestitionsvolumen
im Konzern der HORNBACH-Baumarkt-AG in
den Geschäftsjahren 2009/2010 sowie 2010/2011 voraussichtlich über dem Niveau von 2008/2009 (84 Mio. €) liegen.
Der überwiegende Teil der Mittel wird in den Bau neuer Märkte,
Geschäftsausstattung neuer und bestehender Filialen sowie
den Kauf von Grundstücken fließen. Die Investitionen sollen
im Wesentlichen durch Verwendung des frei verfügbaren
operativen Cashflows sowie durch Mittelfreisetzung aus
Sale & Leaseback-Transaktionen finanziert werden.
Umsatzentwicklung
Unser dauerhaftes Ziel ist das nachhaltige Wachstum in
unserem operativen Kerngeschäft der HORNBACH Bau- und
Gartenmärkte. Der Projektion für das laufende und kommende
Geschäftsjahr haben wir die Erwartung zugrundegelegt, dass
sich wegen des Krisenszenarios die Umsatzdynamik in den
europäischen Ländern, in denen wir HORNBACH-Filialen
betreiben, im Vergleich zu den durchschnittlichen Wachstumsraten
der Vergangenheit abschwächen wird. Auch wird
das bewusst gedrosselte Expansionstempo den Anstieg des
Konzernumsatzes bremsen.
- In Deutschland rechnen wir aufgrund des bislang noch
robusten Konsumklimas und wegen der Abfederungsmaßnahmen
auf dem Arbeitsmarkt (Stichwort: Kurzarbeit und
soziale Sicherungssysteme) im laufenden Geschäftsjahr
mit einer insgesamt geringeren Volatilität in der Umsatzentwicklung
als im Ausland. Sollten die gesamtwirtschaftlichen
Auftriebskräfte in der zweiten Jahreshälfte 2009
wieder die Oberhand gewinnen, gehen wir von weiteren
Umsatzsteigerungen auch auf vergleichbarer Verkaufsfläche
aus. Sollte die Rezession jedoch bis weit ins Jahr 2010 hineinreichen und das Konsumklima stärker als erwartet beeinträchtigen, wären flächenbereinigte Umsatzrückgänge
nicht auszuschließen. Wir sind aufgrund unserer
starken Marktposition zuversichtlich, dass unsere Umsatzentwicklung – unabhängig vom zugrunde gelegten Szenario – die durchschnittlichen Wachstumsraten der Branche
auch in Zukunft übertreffen wird und wir dadurch unseren
Marktanteil in Deutschland stetig erhöhen erden.
- Im übrigen Europa wollen wir die Umsätze von Jahr zu Jahr
steigern und den Umsatzanteil unserer internationalen
Aktivitäten im Konzern der HORNBACH-Baumarkt-AG
(2008/2009: 41 %) kontinuierlich erhöhen. Zum gegenwärtigen
Zeitpunkt sehen wir die Umsatzentwicklung im brigen
Europa größeren Schwankungsrisiken ausgesetzt als
in Deutschland. Betroffen sind davon im Wesentlichen diejenigen
Länder, die vom drastischen Produktionsrückgang
in der gobalen Automobilindustrie besonders hart getroffen
sind. Darunter fallen beispielsweise Schweden, die Slowakei
oder die Tschechische Republik. Dort ist zu erwarten,
dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt früher und in
größerem Ausmaß erfasst als in Deutschland. In einigen
Nicht-Euro-Ländern, darunter auch Rumänien, hat sich die
Einkommenssituation der Haushalte überdies durch Preiserhöhungen
verschlechtert, die durch die deutliche Abwertung
der Landeswährung gegenüber dem Euro hervorgerufen
wurden. Dank der Risikostreuung in unserem
europäischen Filialnetz sind wir in der Lage, Umsatzeinbußen
in bestimmten Regionen durch überdurchschnittliche
Umsatzzuwächse in anderen Regionen zumindest teilweise
zu kompensieren. Auch international muss für den Fall
eines Abgleitens in eine noch ausgeprägtere Rezession mit
einem flächenbereinigten Umsatzminus gerechnet werden.
Unter Berücksichtigung der geschilderten Chancen und
Risiken der künftigen Entwicklung sehen wir jedoch weiterhin
Umsatzsteigerungen im zweijährigen Prognosezeitraum
sowohl in Deutschland als auch im übrigen Europa als realistisch
an. Wir rechnen damit, dass der Konzernumsatz, das
heißt der Nettoumsatz einschließlich Neueröffnungen, im
laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen und im Geschäftsjahr
2010/2011 über diesem Wert liegen wird.
Ertragsentwicklung
Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Unwägbarkeiten ist es
nicht möglich, eine konkrete Ergebnisprognose für das
laufende und das nächste Geschäftsjahr zu formulieren.
Stattdessen geben wir zum Abschluss dieses Berichts für die
beiden Geschäftssegmente „Baumärkte“ und „Immobilien“
Indikationen, die Grundlage für die weitere Ertragsentwicklung
im Konzern sind.
- Im Segment Baumärkte wird die operative Ergebnisentwicklung
entscheidend von der noch nicht absehbaren Veränderungsrate
der flächenbereinigten Umsätze abhängen.
Nach unseren Erwartungen sollte die Handelsspanne im
zweijährigen Prognosezeitraum stabil bleiben. Dabei gehen
wir davon aus, dass mögliche Risiken durch eine Verschärfung
des Preiswettbewerbs auf der einen Seite durch die
Chance konjunktur- und rohstoffbedingter Preisrückgänge
an den Beschaffungsmärkten sowie durch Veränderungen
im Sortimentsmix auf der anderen Seite ausgeglichen
werden können. Den Risiken einer konjunkturbedingten
Umsatzabschwächung wollen wir mit Produktivitätsfortschritten
im Betrieb unserer Märkte sowie in den administrativen
Prozessen begegnen, das heißt die Filial- und Verwaltungskosten
im Verhältnis zum Nettoumsatz senken.
Die Voreröffnungskosten in Relation zum Umsatz werden
im Geschäftsjahr 2009/2010 aufgrund der im Vorjahresvergleich
geringeren Anzahl an Neueröffnungen zurückgehen
und im Folgejahr 2010/2011 aller Voraussicht nach
wieder zunehmen.
- Das Segment Immobilien umfasst die von den Gesellschaften
des HORNBACH-Baumarkt-AG Konzerns gehaltenen
Einzelhandelsimmobilien, die konzernintern zu marktüblichen
Konditionen an die jeweiligen Bau- und Gartenmärkte
vermietet sind bzw. weiterverrechnet werden. Ferner werden
im Segment Immobilien auch nicht-operative Gewinne
und Verluste aus Sale & Leaseback-Transaktionen ausgewiesen.
Wir rechnen 2009/2010 im Segment Immobilien mit erheblich niedrigeren Ergebnisbeiträgen. Während im
Geschäftsjahr 2008/2009 Veräußerungsgewinne aus Immobilientransaktionen
in Höhe von rund 37 Mio. € erzielt
wurden, sind im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 keine
bedeutenden Veräußerungsgewinne geplant. Aus der Restabwicklung
des im Vorjahr lancierten Paketverkaufs von
insgesamt fünf Baumarktimmobilien stehen noch zwei
Sale & Leaseback-Transaktionen aus. Wir rechnen bei erfolgreichem
Abschluss im laufenden Geschäftsjahr mit
Veräußerungsgewinnen in Höhe von rund 1 Mio. €. Der geplante
Mittelzufluss von rund 52 Mio. € soll überwiegend in
den Bau neuer, im Eigentum des HORNBACH-Baumarkt-AG
Konzerns befindlicher Märkte reinvestiert werden.
Das Betriebsergebnis (EBIT) im Konzern der HORNBACH-Baumarkt-
AG wird im laufenden Geschäftsjahr (2009/2010)
im Wesentlichen bedingt durch das signifikant niedrigere
Ergebnis im Segment Immobilien auf einen positiven Wert
deutlich unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2008/2009 zurückgehen. Im Geschäftsjahr 2010/2011 ist geplant, das
Niveau des Vorjahres zu übertreffen.
Die Herausforderungen für die künftige Entwicklung des
HORNBACH-Baumarkt-AG Konzerns waren seit dem Börsengang
im Jahr 1993 noch nie so groß wie in der aktuellen
Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit den gesamtwirtschaftlichen
Unsicherheiten wächst auch der Anspruch, den wir selbst an
die kontinuierliche Verbesserung unseres Geschäftsmodells
stellen. Um die Ertragskraft im HORNBACH-Baumarkt-AG
Konzern nachhaltig zu stärken, wollen wir mit noch größerer
Konzentration als in den vergangenen Jahren den Wareneinsatz
optimieren und unsere Betriebsprozesse im Filialbetrieb,
in der Logistik und in den Verwaltungen so kosteneffizient und
kundenorientiert wie möglich organisieren. Dabei werden wir
unter anderem von den Strukturvorteilen unserer Bau- und
Gartenmärkte, der europaweit einheitlichen Systemlandschaft,
und den Wettbewerbsvorteilen unserer internationalen
Einkaufsorganisation profitieren.